Bereits über 3200 an euroSIC angeschlossene Bankstellen in der Schweiz und Liechtenstein sowie Europa profitieren von den Vorzügen des Schweizer Echtzeit-Bruttosystems (RTGS) in Euro.
Grundlage von euroSIC sind Verrechnungskonten der Teilnehmer, die im Rechenzentrum von SIX Interbank Clearing in Zürich betrieben werden. Alle Transaktionen der beteiligten Finanzinstitute werden über diese Verrechnungskonten abgewickelt, falls deren Deckung auf den Girokonten der euroSIC-Teilnehmer beim euroSIC-Systemmanager (SECB Swiss Euro Clearing Bank GmbH) sichergestellt ist.
Teilnahmebedingungen
In der Regel kann jedes Finanzinstitut, das der schweizerischen Bankenaufsicht unterliegt, an euroSIC teilnehmen. Finanzinstitute, Gemeinschaftswerke, Clearingorganisationen sowie deren Mitglieder ausserhalb der Schweiz erhalten ebenfalls Zugang, sofern sie in ihren Ursprungsländern in Bezug auf Bankenaufsicht, Bekämpfung der Geldwäscherei und Telekommunikationsinfrastruktur mindestens denselben rechtlichen und operationellen Standards unterworfen sind wie die Teilnehmer in der Schweiz.
Systemmanager
Die SECB, ein Gemeinschaftsunternehmen der Telekurs, Credit Suisse, UBS und PostFinance, ist als Systemmanager mit der Steuerung und Überwachung des euroSIC-Systems betraut. Als deutsche Universalbank und Teilnehmerin am RTGS-System der Deutschen Bundesbank hat sie über TARGET2 Zugang zu allen 22 Euro-Ländern und wickelt Euro-Zahlungen der euroSIC-Teilnehmer von der Schweiz in den Euro-Zahlungsraum und umgekehrt in Echtzeit ab. Zusätzlich nimmt die SECB am deutschen und am paneuropäischen Massenzahlungssystem EMZ bzw. STEP2 teil.

Liquiditätsmanagement
Als weitere wesentliche Aufgabe übernimmt die SECB das Liquiditätsmanagement für das euroSIC-System. Zu Beginn eines Clearingtages überträgt die SECB die Giroguthaben der euroSIC-Teilnehmer ins System. Diese können jederzeit den Saldo und die verrechneten Zahlungsein- und Zahlungsausgänge auf ihren Verrechnungskonten im euroSIC online und in Echtzeit abfragen. Bei Bedarf sind sie während des Clearingtages jederzeit in der Lage, zusätzliche Liquidität über die SECB anzuschaffen beziehungsweise überschüssige Liquidität abzuschöpfen. Gegen Verpfändung zentralbankfähiger Sicherheiten (Collaterals) stellt die SECB die gewünschte Zusatzliquidität in Form von zinslosen Innertages- beziehungsweise Übernachtkrediten zu gleichen Beleihungskriterien zur Verfügung. Am Ende eines Clearingtags veranlasst die SECB den Übertrag der Clearingguthaben auf die Girokonten der euroSIC-Teilnehmer. Zahlungsaufträge können bis fünf Clearingtage im Voraus eingegeben werden. In der Regel werden Transaktionen in der Reihenfolge ihres Eingangs bearbeitet; die Ausführung lässt sich aber auch über einen Prioritätscode steuern.
Keine Kredit- und Liquiditätsrisiken
Bei jeder einzelnen Zahlung überprüft das System, ob der Betrag durch das Verrechnungskonto der betroffenen Bank gedeckt ist. Nur bei vorhandener Deckung wird eine Transaktion unwiderruflich und endgültig durchgeführt. Andernfalls wird die Zahlung in einer Wartedatei so lange pendent gehalten, bis die Deckungsbedingung durch empfangene Zahlungen beziehungsweise Liquiditätszuführung erfüllt ist. Der Zahlungsempfänger kann dann sofort ohne Kredit- und Liquiditätsrisiken über den vergüteten Betrag verfügen.
Das Tor für Euro-Zahlungen
Die Schweiz ist weder Mitglied der Europäischen Union noch der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Deshalb hat sie keinen direkten Anschluss an TARGET2, das die für den grenzüberschreitenden Euro-Zahlungsverkehr notwendige Verbindung zwischen den nationalen RTGS-Systemen der EU-Teilnehmerländer sicherstellt.
Um Euro-Zahlungen zwischen der Schweiz beziehungsweise Liechtenstein und den Ländern im Euro-Zahlungsraum dennoch zu ermöglichen, entwickelte SIX Interbank Clearing im Auftrag des Finanzplatzes Schweiz swisseuroGATE. Durch swisseuroGATE sind die euroSIC-Teilnehmer indirekt via SECB und das deutsche RTGS-System in Echtzeit mit TARGET2 und dadurch mit allen Euro-RTGS-Systemen der EU-Mitgliedstaaten verbunden.
swisseuroGATE ermöglicht somit den euroSIC-Teilnehmern grenzüberschreitende Euro-Zahlungen zu praktisch allen Finanzinstituten im Euro-Zahlungsraum abzuwickeln. Umgekehrt erhalten Finanzinstitute im Euro-Zahlungsraum via swisseuroGATE Zugang zu über 3200 schweizerischen und liechtensteinischen Bankstellen.
Über swisseuroGATE lassen sich auch nicht eilige Euro-Zahlungen verarbeiten. euroSIC-Teilnehmer können mit der LVP-Payments-Lösung der SECB nicht eilige Zahlungen nach Deutschland bis zu einem Betrag von EUR 50'000.– zu einem günstigen Transaktionspreis via das Massenzahlungssystem EMZ der Deutschen Bundesbank tätigen. Die SECB bietet zudem den euroSIC-Teilnehmern aus dem Euro-Zahlungsraum (beispielsweise aus Liechtenstein) mit ihrer EUP-Payments-Dienstleistung auch einen preisgünstigen Zahlungsweg über STEP2, dem paneuropäischen Zahlungssystem für Massenzahlungen, an.
Zahlungsverarbeitung
Der Zahlungsauftrag einer Teilnehmerbank wird zuerst einer formalen Prüfung unterzogen: Das System verifiziert die elektronische Unterschrift, die Eingabeberechtigung und den Aufbau der Zahlungsinstruktion aufgrund der Stammdaten der Bank. Zudem wird sichergestellt, dass der Zahlungsauftrag nicht doppelt vorliegt. Als nächstes folgt die Deckungsprüfung: Bei ungenügender Deckung kommt die Zahlung in eine Warteschlange, bis durch eingehende Beträge genügend Liquidität verfügbar ist: euroSIC lässt also keine Zahlungen unter Vorbehalt zu. Das auftraggebende Finanzinstitut ist jederzeit in der Lage, die betreffende Zahlung mit sämtlichen Details abzufragen.
Transaktionen zwischen euroSIC-Teilnehmern gelten als so genannte inländische Zahlungen und werden direkt verrechnet. Gleiches gilt für die aus Wertschriftengeschäften resultierenden Transaktionen (SECOM, Eurex/Euro-Repo). Handelt es sich hingegen um grenzüberschreitende Zahlungen (Zahlungen an Finanzinstitute, die nicht an euroSIC angeschlossen sind), werden diese bei der SECB automatisch in SWIFT-Meldungen konvertiert und in Echtzeit an die angeschlossenen ausländischen Systeme weitergeleitet (siehe swisseuroGATE). Zur Wahl dieses Systems (Routing) besteht bei der SECB eine Steuertabelle, die sowohl Systemkriterien als auch bilaterale Vereinbarungen berücksichtigt. Zahlungen aus dem Euro-Zahlungsraum an euroSIC-Teilnehmer gehen den umgekehrten Weg.

Lange Öffnungszeiten
euroSIC-Teilnehmer können Zahlungen an Bankwerktagen rund um die Uhr online einliefern. Sie werden während 24 Stunden am Tag – nach Überprüfung der erforderlichen Deckung – verrechnet und weitergeleitet.
Für euroSIC hat eine Woche fünf Tage: Transaktionen vom Wochenende erhalten als Verrechnungsdatum den folgenden Montag.
Im Vergleich zu Kalendertagen läuft der euroSIC-Clearingtag zeitverschoben. Er dauert von ca. 20.30 Uhr des Vorabends bis etwa 18.45 Uhr des aktuellen Tages, am Wochenende von Freitag, 20.30 Uhr bis Montag 18.45 Uhr. Im Vergleich zu anderen Euro-Zahlungssystemen verfügt euroSIC mit der Festsetzung von 18.45 Uhr als Ende eines Clearingtags über ausserordentlich lange Öffnungszeiten. Abweichungen sind in der jährlich erscheinenden Verarbeitungs- und Valutaregelung aufgeführt, in dem auch die Bankfeiertage bekannt gegeben werden.
Das Operations Center von SIX Interbank Clearing überwacht den Betrieb. Es steht den teilnehmenden Banken von 6.00 bis 20.00 Uhr für Auskünfte und zur Unterstützung zur Verfügung.
Crossborder-Guide
Der Crossborder-Guide ist ein Leitfaden für euroSIC-Teilnehmer rund um die konkrete Nutzung von swisseuroGATE. Nebst Fallbeispielen für korrekte grenzüberschreitende Zahlungsmeldungen gibt er Detailerklärungen zur Formatierung und zu Preisen.
System-Kommunikation
Viele euroSIC-Teilnehmer sind über Finance IPNet, einer modernen Kommunikationsinfrastruktur am euroSIC-System angeschlossen. Diese ist ein auf dem Internet-Protokoll (IP) basierendes Netzwerk. Immer mehr Finanzinstitute entscheiden sich für einen alternativen, kostengünstigen euroSIC-Anschluss über remoteGATE. Dabei verwenden sie ihre bereits vorhandene SWIFT-Infrastruktur für die Zahlungsmeldungen und Internet für das Cash-Management.
Technische Sicherheit
IBASEC, ein Interbank-Sicherheitssystem, sorgt für die zuverlässige, vertrauliche Übermittlung von täglich bis über zwei Millionen Transaktionen zwischen den Banken im Wert von über 300 Milliarden Franken an Spitzentagen. Für Teilnehmer, die remoteGATE nutzen, gelten die hohen Sicherheitsbedingungen von SWIFT. Beide Kommunikationswege erfüllen folgende Anforderungen:
- Meldungen werden unverfälscht übermittelt.
- Die Absender der Meldungen sind eindeutig.
- Senden und Empfangen von Meldungen können nicht bestritten werden.
- Abhorchen von Meldungen während der Übertragung ist unmöglich.
Wünschen Sie mehr Informationen oder eine persönliche Beratung? Sie erreichen uns telefonisch unter der Nummer +41 44 279 47 47 oder per Online-Formular.
